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Theodor-Heuss-Gymnasium Mühlacker

Weihnachtsfeier mit der Lebenshilfe

Es ist Freitagnachmittag, 2.12.16, um 14.00 Uhr, als einige Schülerinnen und Schüler der Klassen 8 b/c/e sich mit Frau Maisch, Frau Hepperle und Herrn Stepper treffen, um aus der nüchternen Schule einen Ort des Feierns zu machen. Die Achtklässler sollen im Rahmen des sozialen Lernens die Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe ausgestalten helfen. Und nun müssen die Räumlichkeiten für die gemeinsame Weihnachtsfeier hergerichtet werden. Unter Anleitung von Herrn Vazzolla, unserem Hausmeister, wird flugs die Aula von Tischen befreit und in ordentlichen Reihen vollständig bestuhlt, werden die übrigen Tische zum Aufbau einer provisorischen Großgarderobe verwendet. Eine andere Gruppe fegt die Cafeteria (Mensa), schrubbt die Tische, deckt die Kaffeetafel ein und dekoriert alles weihnachtlich. Wow! Was so ein wenig Dekomaterial doch bewirken kann. Der Saal wirkt direkt heimelig. Währenddessen hatte eine weitere Gruppe unter Anleitung von Herrn Mühlbayer im Lehrerzimmer die Nikolaustüten gepackt, die unsere Gäste als Geschenk bekommen sollten. Unser Schulleiter hatte es sich nicht nehmen lassen, die Materialien dazu selbst einzukaufen. Jetzt noch schnell die Bastelräume im 2. Stock herrichten und schon ist das Gröbste getan.


Samstag, 3.12.16.

Um 12.30 Uhr wird das Schulhaus abrupt aus seinem Wochenendschlaf geweckt. Nahezu alle Schülerinnen und Schüler der drei eingeteilten achten Klassen sind mit ihren Klassenlehrern (Frau Dihlmann-Schnigula, Frau Häfele, Herr Geltz, Herr Krummbein) gekommen. Die beiden Kunsträume, in denen gestern am Nachmittag noch Unterricht war, werden gesäubert und hergerichtet. Besonders im vorderen ist Sauberkeit wichtig, hier soll gebacken werden. Frau Dihlmann-Schnigula hat ganze Arbeit geleistet und verteilt das Backmaterial und den Teig auf die Tische. Vergleichbares macht Frau Günther mit den drei Räumen, die ihrer Leitung beim Basteln unterstehen. Unmengen an Materialien werden auf den Tischen verteilt. Wahrenddessen ist der Kuchen und sind die Brezeln angeliefert worden. Ein Teil der Schülerinnen und Schüler streicht Brezeln. Badisch oder schwäbisch? Man einigt sich auf badisch, will heißen: mit viel Butter! In der Cafeteria werden die Kuchen ausgepackt und aufgeschnitten, im Sekretariat blubbert leise die große Kaffeemaschine vor sich hin und füllt Herr Vazzolla eine Warmhaltkanne nach der anderen mit aromatischem Tee oder Kaffee. 13.15 Uhr: Die Schülerinnen und Schüler werden in die Vorgehensweise an der Garderobe eingewiesen, schließlich sollen die Mäntel und Jacken am Ende wieder schnell ausgegeben werden können. Namenslisten-Aufkleber waren im Vorfeld von der Lebenshilfe geliefert worden. Herr Volk hilft bei der Zuordnung. Der erste Kleinbus fährt vor, die Nervosität steigt. Die ersten Gäste der Lebenshilfe kommen herein, werden freudig begrüßt. Eifrig will man ihnen die Mäntel und Jacken abnehmen; Mancher wirkt irritiert, will seinen Namen nicht preisgeben. Langsam legt sich die Nervosität von beiden Seiten, die Garderobe wird ordentlich gehängt / gelegt. Ein Bus nach dem anderen fährt vor bis alle fast 70 Gäste plus Betreuer da sind. Einzelne erkunden neugierig das Gebäude, andere gehen schon in die Aula vor, Stimmengeschwirr überall. Nun stoßen auch die ca. 30 Schüler anderer Klassen von Klasse 5 bis Klasse J2 dazu, die sich zur Beteiligung gemeldet hatten. Um 14.00 Uhr begrüßt Herr Mühlbayer in der Aula die Gäste, heißt sie herzlich willkommen. Frau Higer, Vorsitzende des Trägervereins der Lebenshilfe Vaihingen-Mühlacker e.V., bedankt sich für die Einladung und wünscht eine frohe Feier. Frau Hepperle hatte im Vorfeld ein kleines Heft an Weihnachtsliedern zusammengestellt, kopiert und auf den Stühlen ausgelegt. Begleitet durch Herrn Stolz am E-Piano lässt sie uns mit ihrer Stimme in den stimmungsvollen Teil des Nachmittags übergleiten. Erst zögerlich, dann immer kräftiger fällt der Chor der Anwesenden ein. Nach drei Liedern geht es zum Basteln bzw. Backen. Beim Verlassen der Aula sollen Behinderte und Schülerbetreuer zusammenfinden. Noch ist alles fremd, die Zuordnung ist zögerlich, die Lehrer müssen etwas nachhelfen. Aber schließlich sind die Tandems gebildet. Schlangen an den Fahrstühlen. In jedem Stockwerk stehen Schülerinnen und Schüler an den Fahrstuhltüren, um das Ein- und Aussteigen - insbesondere bei Rollstuhlfahrern - zu unterstützen und aufs richtige Stockwerk zu drücken. "Zum Backen wollen Sie? - Gleich rechts bitte!" "Basteln? Entweder gleich hier geradeaus oder Sie fahren noch einen Stock höher, dort ist mehr Platz!" Langsam kommt Struktur in die betriebsame Geschäftigkeit.

Nun ist die Zeit da, in der ich mir auch einen überblick verschaffen will und hin und wieder ein Foto machen kann. Beim Schlendern von Raum zu Raum mache ich eine innerliche Zeitreise mit. Immer mehr fühle ich mich in die Filme der 50er und 60er Jahre versetzt, die die Weihnachtsbäckerei und die Werkstätten des Weihnachtsmannes zum Thema haben. überall rege Geschäftigkeit, frohes Stimmengewirr und freudiges Lachen. Viele Kolleginnen und Kollegen - auch Ehemalige - sowie viele Referendare helfen beim Backen und beim Basteln. Teils haben sie ihren Nachwuchs dabei, was den familiären Aspekt verstärkt. Und langsam, ganz langsam hält er Einzug in unser sonst so nüchternes Schulhaus, der Geist der Weihnacht. Immer mehr überlagern weihnachtliche Gefühle die vorher noch vorhandene Hektik. Schön! 15.30 Uhr, es ist Zeit für den Kaffee. Die Cafeteria füllt sich. Leider haben wir nicht Sitzplätze für alle. Es ist halt eine Schule, kein Restaurant. Unsere Schülerinnen und Schüler überlassen natürlich den Gästen den Vorrang, versorgen sie mit Kaffee, Brezeln und Kuchen. Eine fröhliche Stimmung schwebt über dem Ganzen. In meinem unmittelbaren Blickfeld spielt sich eine anrührende Szenerie ab: Zwei Mädchen der Vorbereitungsklasse, die sich auch spontan zum Kommen entschlossen hatten, sorgen sich rührend um einen besonders gehandicapten Gast, führen ihm die Tasse zum Mund, streicheln über die Wange und füttern ihn Gabel für Gabel mit Kuchen. Unglaublich! Keinerlei Berührungsängste. Ich kann meinen Blick kaum losreißen. Das Ende der Kaffezeit ist erreicht, langsam werden die Gäste in die nebenliegende Aula gebeten. Da fällt mein Blick auf eine mir bekannte kleine Siebtklässlerin. Obwohl zwei Köpfe kleiner lotst sie höflich, aber bestimmt und voller Selbstvertrauen, die Gäste zur Verbindungstür. Ist das die Selbe, die ich aus dem Unterricht kenne? In der Aula werden zuerst Weihnachtslieder gesungen. Es ist etwas geschehen seit wir das erste Mal in der Aula gesungen haben. Vielfach sitzen jetzt Schülerinnen und Schüler neben den Behinderten. Und alle, wirklich alle singen lauthals mit. Kein Zögern wie am Anfang. Da die Durchsage: der Nikolaus steckt im Stau, also nochmals zwei Lieder. Und dann ist es soweit. Unter frohem Rufen und Klatschen kommt der Nikolaus in den Saal, begrüßt alle und frägt n a t ü r l i c h , ob aller brav waren. Ein vielstimmiges "ja" antwortet, wobei einige doch auf andere zeigen, die anscheinend nicht ganz so brav gewesen seien. Der Nikolaus leitet über zu der Frage, wer denn etwas vortragen wolle. Vom Lied über Gedichtvortrag bis zum Anfeuerungsruf für Bayern München ist alles vertreten. Es wird viel gelacht, aber nicht übereinander, sondern miteinander. Es ist Weihnacht. Abschließend dankt Frau Higer allen Beteiligten für diesen schönen Nachmittag. Vor der Aula haben sich die beteiligten Lehrer versammelt und verteilen die Nikolaustüten an die scheidenden Gäste. An der Garderobe klappt es wie am Schnürchen. Jede/r bekommt postwendend seine Jacke, seinen Mantel. Ein Kleinbus nach dem Anderen fährt ab. Alle, wirklich alle - Schüler wie Lehrer - helfen beim Aufräumen. Und noch einmal wird es für mich Weihnacht: Es dauert nur etwas mehr als eine halbe Stunde und alles, was so mühselig aufgebaut wurde, ist wieder an seinem Ort, es ist alles gespült und aufgeräumt und es kann Wochenende werden. Wow!


Jürgen Stepper, 12.12.2016